Spendenzeit

Gutes geben

Von Katharina Lehmann · 2021

Ob Naturkatastrophe oder Krieg, für Kinder oder Tiere, Kultur oder Sport – die Deutschen spenden. Vor allem zum Jahresende öffnen sie noch einmal die Portemonnaies. Doch die Zahl der Spender ist seit Jahren rückläufig.

Eine Frau mit Weihnachtsmütze verteilt an eine Frau und ein Kind Geschenke.
Gerade in der Weihnachtszeit spenden die Deutschen gerne und viel. Foto: iStock / Vladimir Vladimirov

Weihnachtszeit ist Spendenzeit: Jedes Jahr im Dezember zücken die Deutschen besonders großzügig den Geldbeutel, um Hilfsbedürftige mit Geld- und Sachspenden zu unterstützen. Fast 1,1 Milliarden Euro haben die Bundesbürger allein im vergangenen Dezember gespendet – rund 20 Prozent des Gesamtspendenvolumens im Jahr 2020, hat die GfK im Rahmen ihrer alljährlichen Studie „Bilanz des Helfens“ im Auftrag des Deutschen Spendenrats herausgefunden. Gegenüber dem Vorjahresmonat wuchsen die Spendeneinnahmen damit um 18 Prozent. „Gerade zur Weihnachtszeit denken die Menschen über ihr Leben nach, sie merken, dass es ihnen trotz aller Probleme doch gut geht und sie nicht die gleichen existenziellen Sorgen haben wie Menschen in anderen Teilen der Welt. So möchten sie zum Fest der Nächstenliebe etwas zurückgeben und Gutes tun“, erklärt Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats, das Phänomen.

Doch auch im Gesamtjahr 2020 haben die Deutschen rund 5,1 Prozent mehr gespendet als im Jahr zuvor. 5,4 Milliarden Euro kamen so für gemeinnützige Zwecke zusammen. Im Schnitt gab jeder Spender 40 Euro pro Spendenvorgang – drei Euro mehr als im Jahr zuvor. Jedoch: „Die Zahl der Spender ist seit Jahren rückläufig“, mahnt Mälzer. So haben im vergangenen Jahr rund 19 Millionen Menschen Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet – etwa 28,5 Prozent der Bevölkerung und damit im Vergleich zum Vorjahr rund eine halbe Million Menschen weniger. „Es sind vor allem die Älteren, die spenden“, weiß Mälzer. Das liege schlicht daran, dass sie mehr Geld zur Verfügung haben als Jüngere und zudem noch Zeiten und Situationen erlebt haben, in denen sie selbst einmal auf Hilfe angewiesen waren. Mit 5,9 Millionen Spendern war die Gruppe der Über-70-Jährigen im vergangenen Jahr am größten. Allerdings verzeichnet diese Altersgruppe auch den höchsten Spenderrückgang. „In Anbetracht des Rückgangs der Spender in dieser Altersgruppe scheint sich die offensichtliche demografische Entwicklung langsam zu realisieren. Hier liegt eine massive Gefahr für den Gesamtspendenmarkt“, mahnt Mälzer.

Richtigen Spendenzweck finden

Denn karitative Einrichtungen und Hilfsorganisationen sind nach wie vor auf Spenden angewiesen. Werden diese geringer, müssen auch Unterstützungsmaßnahmen und Hilfsprogramme zusammengestrichen werden. Viele Spendenwillige wissen jedoch gar nicht genau, für welchen Zweck und an welche Organisation sie eigentlich spenden wollen. Insgesamt 630.000 gemeinnützige Organisationen gibt es in Deutschland. Sich da einen Überblick zu verschaffen, ist nahezu unmöglich. Eine erste Übersicht bieten Verbände wie der Deutsche Spendenrat oder das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). „Wer spenden will, sollte sich zunächst einmal fragen, welches Ziel er unterstützen möchte und was ihm am Herzen liegt“, rät Mälzer. Und ganz wichtig: „Sich selbst eine Meinung bilden und sich nicht von anderen reinreden lassen!“ Denn es geht um das eigene Geld – Spender müssten sich mit ihrer Gabe auch wohlfühlen. Die meisten Spenden entfielen im vergangenen Jahr auf den Bereich der humanitären Hilfe. Insgesamt 75,6 Prozent aller Spenden gingen an Einrichtungen, die Menschen in Not, Krisen oder Katastrophen unterstützen, Kinder- und Jugendhilfe leisten, sich für Bildung einsetzen oder langfristige Entwicklungshilfen organisieren. Aber auch für die Bereiche Tierschutz, Kultur- und Denkmalpflege, Theater- und Filmförderung sowie Sport wird regelmäßig gespendet.

Auch in der Spendenzeit auf Seriosität achten

Wissen Spender, welchen Zweck und welche Organisation sie unterstützen möchten, gilt es, die Seriosität des Spendenempfängers zu prüfen. „Wichtig ist, herauszufinden, ob die Organisation gemeinnützig ist“, empfiehlt Mälzer. In der Regel sei der Verweis auf die Gemeinnützigkeit auf der Internetseite angegeben. Hilfreich sei zudem, zu schauen, welche konkreten Projekte die Organisation schon unterstützt hat und wie die Finanzdaten aussehen. Und nicht zuletzt: „Spendenzertifikate sind ein guter Anhaltspunkt. Um die Zertifikate oder Siegel zu erhalten, müssen gemeinnützige Organisationen eine Menge Kriterien erfüllen und transparent mit den gespendeten Geldern umgehen“, erklärt Mälzer. Wichtig seien vor allem die zwei großen Zertifikate Siegel des Deutschen Spendenrates und des DZI sowie der Anschluss an die Initiative transparente Zivilgesellschaft.

Sachspenden: Zuerst fragen

Sachspenden liegen im Trend. Mit handfesten Dingen zu helfen, erscheint vielen Spendern menschlicher und sinnstiftender. Doch Achtung: Nicht für jede Sachspende gibt es wirklich einen Bedarf bei den Hilfsorganisationen. „Wenn gemeinnützige Organisationen für Kinder- und Jugendhilfe den hundertsten Teddy bekommen, hilft das nicht weiter“, mahnt Max Mälzer. Oftmals werden Verbrauchsgüter wie Windeln oder Körperpflegeprodukte dringender benötigt. Aus diesem Grund rät Mälzer, vor der Sachspende bei der Organisation anzurufen und zu fragen, welche Dinge konkret benötigt werden. Und für den Teddy, der schon so lange im Schrank auf seinen neuen Besitzer wartet, hat er einen besonderen Tipp: „Es gibt gemeinnützige Organisationen, die gut erhaltene, nicht mehr benötigte Dinge über Kleinanzeigen oder Internetplattformen verkaufen. Der Erlös kommt dann direkt der gewünschten Organisation zu.“ So sei allen geholfen.

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