Urlaub in Deutschland

Deutsche Regionen im Aufwind

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2018

Der Tourismus wird für viele deutsche Regionen immer wichtiger. Die Übernachtungszahlen steigen seit Jahren. Sowohl Einheimische als auch Touristen aus aller Welt wählen immer häufiger einen Urlaubsort in der Bundesrepublik. Immer lieber möchten die Deutschen aber auch dort wohnen, wo die Lebensqualität am höchsten ist.

Zwei Radfahrer genießen ihren Urlaub in Deutschland
Deutschland erkunden: Auch auf dem Fahrrad gibt es viel zu entdecken.

Jedes Jahr ein neuer Rekord – auch für 2017 meldete das Statistische Bundesamt anlässlich der Reisemesse ITB wieder neue Besucherrekorde für Deutschland: 178 Millionen Reisende kamen im vergangenen Jahr in die Bundesrepublik, um ihren Urlaub hier zwischen Flensburg und Bodensee zu verbringen – 459 Millionen Übernachtungen buchten sie dabei. Damit ist die Zahl der Übernachtungen zum achten Mal in Folge angestiegen. Gegenüber dem Vorjahr nahm sie um vier Prozent zu, haben die Statistikexperten ermittelt. 

Urlaub in Deutschland: Zwischen Alpen und Ostsee 

Vor zehn Jahren wurden gar nur 350 Millionen Übernachtungen gezählt. „Der Tourismus ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die Chancen der Globalisierung“, sagte denn auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Auftakt der weltgrößten Reisemesse. Er sei ein Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze schaffe – vor allem für mittelständische Tourismusunternehmen. 

Die größte Gruppe der Deutschland- reisenden sind dabei nach wie vor die Deutschen selbst. Sie buchten 375 Millionen Übernachtungen zwischen Elbe und Donau. Jeder dritte Deutsche verbringt die schönsten Wochen des Jahres am liebsten im eigenen Land. Mit einem Urlaub in Deutschland verbinden sie Sicherheit und ein hohes Maß an Komfort. Die deutschen Urlauber zieht es vor allem in den Norden und Süden. Die Ostseestrände Mecklenburg-Vorpommerns haben es ihnen genauso angetan wie die Nordseeküste von Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Der Süden lockt dagegen mit bezauberndem Alpenpanorama. Doch auch die Mittelgebirge und die Erholungsgebiete rund um Elbe und Donau, Rhein und Mosel ziehen immer mehr Besucher in ihren Bann. Und dann sind da natürlich noch die Städtereisen: Von den insgesamt 14 Millionen Trips, die Deutsche im vergangenen Jahr in andere Metropolen unternehmen, waren 8,9 Millionen Mal deutsche Städte dabei das Ziel – so jedenfalls geht es aus Zahlen des Marktforschungsunternehmen GfK hervor. Im Fokus stehen aber nicht nur die großen Sieben – Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf – auch einige Klein- und Mittelstädte mit ihrem individuellen und unverwechselbaren Charme lockten zahlreiche Besucher an.

Auch die Zahl der Übernachtungen ausländischer Besucher ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Viertel auf fast 84 Millionen gestiegen. Bis zum Jahr 2030 könnten es rund 121 Millionen werden, glaubt Petra Hedorfer, Vorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus. „Das Reiseland Deutschland entwickelt sich in einem starken Wettbewerbsumfeld dynamisch weiter. Die Wachstumsimpulse im Segment der Urlaubsreisen sowie die immer intensivere Nutzung von Onlinemedien bestätigen unsere Markenpositionierung sowie die konsequente Umsetzung unserer Digitalisierungsstrategie“, erklärt Hedorfer.

Die Hälfte der ausländischen Gäste kommt dabei aus einem von sieben Ländern – den Niederlanden, der Schweiz, den USA, Großbritannien, Österreich, Italien und Frankreich, gefolgt von Dänemark, Belgien und Spanien. Die reisefreudigen Chinesen sind auf Platz elf vorgerückt.

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig

Steigende Tourismuszahlen in vielen deutschen Regionen weisen aber nicht nur auf die wachsende Attraktivität der Destinationen für Urlauber aus dem In- und Ausland hin. Auch zum Leben bevorzugen die Deutschen immer stärker Orte, die in puncto Kultur und Freizeit, Outdoor und Sightseeing so einiges zu bieten haben. Unternehmen tun also gut daran, im zunehmenden Wettbewerb um Fachkräfte auch die Attraktivität ihrer Region im Blick zu haben. Denn diese weichen Faktoren – zum Beispiel Luftqualität und Freizeitwert, Nahverkehr und medizinische Versorgung, Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder – locken Arbeitskräfte in die Regionen. Und Städte wiederum, die als Touristenmagneten gelten, können mit dieser Tatsache getrost auch für sich als Wirtschaftsstandort werben.

Die Metropolregion Berlin zeigt, dass beide Aspekte auch nicht voneinander zu trennen sind. Viele Neu-Berliner haben die Stadt zunächst als Touristen kennengelernt und dann entschieden, dorthin zu ziehen – was schlussendlich das Arbeitskräfteangebot verbessert. Auf der anderen Seite entdecken Geschäftsreisende, dass die Bundeshauptstadt auch mal Ziel eines privaten Städtetrips sein könnte. 

Die Reisebranche selbst lebt – trotz der Rekordzahlen – mit dem Eindruck, dass der Tourismus in Deutschland im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen nur unzureichend wahrgenommen wird. „Deutschland ist nicht nur ein starker Wirtschaftsstandort, sondern auch ein attraktives Reiseziel“, hat Petra Hedorfer gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt. Laut Welttourismusorganisation WTTC sorgt die Reisebranche für vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts und rangiert damit vor dem Maschinenbau. 

Forderungen nach einem Konzept

Eine landesweite Tourismus-Strategie fehlt jedoch nach wie vor. „Für die weitere Stärkung des Deutschland-Tourismus benötigen wir ein nationales Tourismuskonzept, eine einheitliche Förderung und eine bessere Koordinierung zwischen allen Beteiligten“, fordert Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes, und fordert deshalb abgestimmte Förderinstrumente und eine funktionierende Koordinierung innerhalb der Bundesressorts und zwischen Bund und Ländern, die nur durch einen eigenständigen Staatssekretär durchgeführt werden könne. „Die Bedeutung des Tourismus muss sich stärker im Bundeswirtschaftsministerium widerspiegeln“, fordert Meyer. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte nationale Tourismusstrategie sei dabei ein wichtiger und notwendiger Schritt. Damit sie ein Erfolg werde, bedürfe es jedoch einer mit den entsprechenden Ressourcen ausgestattete Tourismuskoordinierung. „Denn Tourismuspolitik ist nicht nur Kompetenz der Länder und Kommunen, auch der Bund legt Rahmenbedingungen fest“, so Meyer weiter.

Und wo geht’s im nächsten Urlaub hin?

Auch 2018 sind die Deutschen wieder in Reiselaune: Die Urlaubsplanung für diesen Sommer ist nahezu abgeschlossen. Im Fokus der Reiselust stehen dabei neben dem Dauerbrenner Mittelmeerraum auch wieder deutsche Destinationen. Für Familien ist die Ostsee die wichtigste deutsche Urlaubsregion, aber auch die Nordsee steht ganz weit oben auf der Beliebtheitsskala. Zudem stehen auch die Wanderrouten rund um die deutschen Mittelgebirge hoch im Kurs.

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