Nächstenliebe

„Mitgefühl haben wir im Herzen.“

Von Andrea von Gersdorff · 2021

Portrait: Wilhelm Olschewski
Wilhelm Olschewski, Pfarrer i. R. aus Singen/Hohentwiel

Für viele Menschen ist Spenden und Helfen eine Herzensbewegung, die auch Freude macht. Wilhelm Olschewski, Pfarrer i. R. aus Singen/Hohentwiel, sieht darin das Wesen des Miteinander-Teilens im Christentum.

Steckt das Spenden in uns?

Ja, Mitgefühl wohnt allen Menschen inne. Wir haben es im Herzen. Man muss aber manchmal erst etwas im Blick haben, damit man spendet. So wie in der Legende des Soldaten Martin, dessen Blick bei seinem Ritt in die Stadt auf einen frierenden Bettler fällt: Er gibt ihm daraufhin spontan die Hälfte seines warmen Mantels ab. Auf heutige Zeit übertragen, rücken das Fernsehen und die Medien die Welt in unseren Blick und regen uns an, bei Katastrophen wie der Überflutung im Ahrtal zu helfen oder zu spenden.

Sind denn Spenden- und Hilfsbereitschaft typisch christlich?

Ja, wesentlich. Im Christentum gilt: Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Was man selbst nicht mag, das soll man auch einem anderen nicht zumuten. Jeden Menschen in seiner einzigartigen Würde zu sehen, zu achten und füreinander da zu sein, ist Gottesdienst. Jesus sagt im Matthäus-Evangelium (25,40): „Das habt ihr mir getan.“

Warum steigt die Spendenbereitschaft an Weihnachten?

An Weihnachten wird Gott zum Du. Er wird Mensch, er schenkt sich uns. Aus diesem Glauben und dieser Freude heraus teilen wir mit anderen: Wir machen Geschenke, wir spenden etwas. Wie die drei Weisen aus dem Morgenland, die dem Christuskind ihre Gaben bringen. Das hat sich bei allen eingeprägt, auch den Menschen, die nicht christlich sind. Es ist so Tradition geworden, etwas zu abzugeben. Dabei ist es nicht entscheidend, wie viel man spendet.

Welche Motivation hat man dann?

Oft spenden Menschen, wenn sie nicht explizit christlich motiviert handeln, aus Dankbarkeit dafür, dass es ihnen gut geht oder immer ergangen ist. Oder weil sie selbst schwierige Zeiten durchgemacht haben und Leid nachvollziehen können. Etwas zu spenden und zu schenken, macht natürlich auch Freude, die einem selbst gut tut. Manche haben aber auch ein schlechtes Gewissen oder wollen Anerkennung.

Warum spenden andere wiederum nicht?

Manchmal fehlt sozusagen der Blick. Auch hier passt die Martin-Legende als Bild: Die anderen Soldaten reiten vorbei. Natürlich muss man zunächst auch genug haben, um teilen zu können. Aber es kann sein, dass jemand gerade eigene Probleme hat, finanzielle und praktische Hilfe für eine Aufgabe des Staates hält oder einfach skeptisch ist, ob die Spende auch ankommt. Aber man hat natürlich immer die Möglichkeit, konkret in seiner Umgebung oder spontan, wo es nötig ist, zu helfen. Es geschieht unglaublich viel Gutes im Verborgenen, und die Freude, die man macht, kommt dann zu einem zurück.

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