Urlaub in der Adventszeit

Lust auf Winter

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2017

Urlaub in der Stadt liegt im Trend – auch in der kalten Jahreszeit. Die Deutschen entdecken ihr Heimatland in der Adventszeit von einer anderen Seite. Deutsche Städte und Städtchen laden mit ihren festlich geschmückten Fußgängerzonen und Weihnachtsmärkten zu einem Besuch – Weihnachtsshopping und Kulturprogramm inklusive.

Ein schneebedeckter Weihnachtsmarkt in der Adventszeit

Wer in Bamberg aus der Bahn steigt, wird gleich eingefangen vom warmen Schein hunderter Lichter. Festlich geschmückt in tannengrün, edlem Rot und Gold zeigt sich die kleine fränkische Stadt von ihrer schönsten Seite. Nur wenige Schritte sind es zum Maximiliansplatz in der Fußgängerzone, auf dem Händler in schneebedeckten Holzhütten des Krippenmarktes Christbaumschmuck und Krippenfiguren anbieten. Über all dem erhebt sich der festlich-schlichte Weihnachtbaum. Mitten in der Altstadt mit ihren erleuchteten und geschmückten Geschäften und Straßen riecht es nach gebrannten Mandeln, Glühwein und Lebkuchen. 

Der Bamberger Krippenmarkt ist unter den Weihnachtsmärkten besonders früh dran. In diesem Jahr eröffnete er bereits am 23. November. Noch schneller sind die Einwohner im nordrhein-westfälischen Bad Sasendorf bei Soest. Der Weihnachtsmarkt startete dort bereits am 16. November. In den meisten Städten öffneten die festlichen Märkte aber erst am 27. dem Montag nach Totensonntag, der ersten Adventswoche. 

Ein Winter ohne Weihnachtsmarkt ist für viele Deutsche undenkbar. Der touristische Dachverband in Nordrhein-Westfalen, Tourismus NRW, hat für das eigene Bundesland mal nachgezählt und ist auf 123 Märkte gekommen, die in einigen Städten mit der Adventszeit nicht enden, sondern nach Weihnachten weitermachen. Unter anderem in Duisburg, Düsseldorf, Gütersloh, Herford und Leverkusen sind die Märkte bis zum 30. Dezember, in Dortmund sogar bis zum 1. Januar geöffnet.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Für die meisten Menschen hierzulande beginnt die Wahrnehmung der Adventssonntage mit dem bekannten Kinderreim „Advent, Advent ein Lichtlein brennt“. Damit beginnt für die Jüngsten in der Regel eine Zeit der spannungsvollen Erwartung. „Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“ Die Tage bis Heiligabend werden gezählt – oft mithilfe des Weihnachtskalenders, der jeden Tag ein Stück Schokolade hervorbringt. 

Auch für Erwachsene bietet der Dezember mit der Vorweihnachtszeit, der Weihnachtszeit und schließlich dem Jahreswechsel mehr Anlässe für genüssliche Momente als jeder andere Monat. Normalerweise stehen mit den vier Adventssonntagen, dem Heiligabend, 

den beiden Weihnachtsfeiertagen und schließlich Silvester und Neujahr gleich neun Tage auf dem Programm, die zu besinnlichen, stimmungsvollen Stunden mit der Familie oder mit Freunden einladen. In diesem Jahr beraubt uns der Kalender allerdings einer dieser Gelegenheiten – der vierte Adventssonntag fällt mit Heiligabend zusammen. Ansonsten liegt Weihnachten in diesem Jahr immerhin sehr arbeitnehmerfreundlich. Der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag fallen auf einen Montag und einen Dienstag – Arbeitnehmer brauchen also nur drei Urlaubstage und können für die ganze Woche verreisen. 

Dass die Deutschen ihre Häuser, Straßen und Fußgängerzonen in dieser Zeit mit Lichterketten, Girlanden, Glocken und anderem Weihnachtsschmuck erstrahlen lassen, kommt nicht von ungefähr. Das aus dem Lateinischen entlehnte Wort „Advent“ heiß übersetzt „Ankunft“. Gemeint ist die Ankunft des Herrn, Adventus Domini. Es ist die Zeit, in der sich die Christen auf das Fest der Geburt Jesu Christi – Weihnachten – vorbereiten. Rote Schleifen, Glocken, manchmal auch Rentierschlitten in Gold und Silber verzieren die Promenaden. Große Tannen mit Hunderten von Lichtern schmücken die zentralen Plätze – drum herum kleine Weihnachtsmärkte, die ihre Waren – wärmender Glühwein, süße Mandeln, Kunsthandwerk und Baumschmuck, gestrickte Schals und gefilzte Mützen – feilbieten.

Es ist auch die Zeit, in der viele Menschen wieder „ankommen“ in ihrem Heim und bei ihren Familien. Nach langen erlebnisreichen, aber zuweilen auch rauen und stressigen Monaten neigt sich das Jahr dem Ende entgegen. Viele empfinden gerade die Wintertage als die besinnlichsten des Jahres. Nun heißt es Plätzchen backen und sonntags im Kreise der Liebsten ein weiteres Licht auf dem Adventskranz entzünden.

Quelle: YouGov, 2016

Kurze Tage, lange Nächte

Dazu passt, dass der Dezember die dunkelste Jahreszeit ist. Der 21. Dezember ist in der nördlichen Erdhälfte der kürzeste Tag des Jahres, die Wintersonnenwende. Um 8 Uhr 13 geht die Sonne auf, um 15:56 geht sie wieder unter. Nur sieben Stunden und 43 Minuten hat der Tag, und doch empfinden wir die lange Zeit ohne natürliches Licht so kurz vor Weihnachten nicht als störend. Im Gegenteil: Die besinnliche, bisweilen romantische Stimmung auf den feierlich geschmückten Plätzen unserer Städte kommt erst nach Sonnenuntergang so richtig zur Geltung. 

Die feinen Fußgängerzonen laden denn auch zum Weihnachtsshopping ein. Sonderregelungen gibt es in dieser Zeit beim Ladenschluss. Damit der weihnachtliche Einkaufsbummel nicht in Stress ausartet, haben die meisten Geschäfte ihre Öffnungszeiten – zumindest an zweien – auch auf die Adventssonntage ausgedehnt. Am Heiligabend, der ja auf einen Sonntag fällt, sollen die Läden allerdings geschlossen bleiben. Da sind sich viele große Händler in der Bundesrepublik einig.

Städtereisen hoch im Kurs

Shopping ist ein Grund mehr, sich gerade in der Adventszeit für eine Städtereise zu entscheiden. Ohnehin stehen Trips in andere Städte bei den Deutschen hoch im Kurs: 447 Millionen Übernachtungen von in- und ausländischen Gästen in Deutschland zählte das Statistische Bundesamt für das Jahr 2016 – ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den Angaben der Statistiker zufolge interessieren sich 35 Millionen Bundesbürger für eine Städtereise. Im Trend liegen laut dem Deutschen Tourismusverband (DTV) vor allem kurze und spontane Trips. Das Ziel sind häufig die großen Metropolen Berlin, Hamburg und München, aber auch eine Reihe von kleineren Städten stehen bei den Touristen hoch im Kurs. Der Focus nennt als Geheimtipps neben Bamberg auch Trier, Worms, Wismar und Meersburg am Bodensee. Während die Millionenstädte mit ihren lebendigen Innenstädten punkten, kommen die kleineren Ziele oftmals mit ihrer besondere Architektur, den historischen Stadtkernen und kulturellen Angeboten gut an. 

Die Reiseexperten von „Lonely Planet“ haben auch schon für das nächste Jahr die angesagtesten Reiseziele ausgewählt und sind dabei unter anderem auf Hamburg gekommen. Im Trend-Buch „Best in Travel 2018“ belegt die Hansestadt unter den Top Ten der Städte weltweit derzeit Platz vier. An der Elbe würden viele Überraschungen geboten, heißt es in dem neuen Buch. So zum Beispiel zahlreiche charmante kleine Bauwerke, die man bei Spaziergängen entdeckt, Hafen und Fischmarkt und natürlich die 2017 eröffnete Elbphilharmonie. 

Alternativen bei schlechtem Wetter

Wer beim deutschen Winterwetter nicht draußen in der Kälte herumlaufen möchte, kann in Museen, Ausstellungen und Galerien Zuflucht vor Schnee, Graupel oder Eiseskälte finden. Insgesamt 6372 Museen befinden sich in der Bundesrepublik. Sie ziehen jedes Jahr etwa 114 Millionen Besucher an. Hinzu kommen 470 Ausstellungshäuser mit etwa sechs Millionen Besuchern. Im Fokus der Ausstellungen stehen aber nicht nur Kunst, Volks- und Heimatkunde oder Naturwissenschaften. Kulturgeschichtliche Spezialmuseen zeigen die Entstehung und Entwicklung des Brauereiwesens oder des Weinbaus, der Literaturgeschichte, des Spielzeugs, der Feuerwehr oder der Musikinstrumente. Zu den beliebtesten Museen im ganzen Land zählen übrigens das Schlossmuseum im Residenzschloss in Dresden, das deutsche Meeresmuseum in Stralsund, das Technikmuseum in München, das Neue Museum mit seinen archäologischen Exponaten in Berlin und das Miniaturwunderland
Hamburg.

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